Sternenmythen



01. Abraxas

Abraxas ist ein mystisches Wort von sehr alter ungeklärter Herkunft. Der ägyptische Astronom Basilides fand heraus, dass Abraxas im griechischem Zahlenalphabet 365 bedeutet. Im Jahr 130 gründete er darauf seine Lehre von den 365 Geisterreichen, die von der orientalischen Philosophie abgeleitet ist. Es entstand die Sekte der Basilidianer, ein Zweig der Gnostiker. Sie glauben an ein namenloses, höchstes Wesen, das Gott und Teufel in sich vereinigt. Aus sich selbst erschafft es sieben vollkommene Äonen. Diese zeugen 365 Geisterreiche von abnehmender Vollkommenheit, in die der Weltraum eingeteilt ist wie das Jahr 365 Tage. Die Geister verkörpern abstrakte Begriffe guten und bösen Inhalts. Herr aller Geisterreiche ist Abraxas. Seiner bedient sich das höchste Wesen, um in das menschliche Schicksal einzugreifen. Sein Bild findet sich auf alten Amuletten. Der Hahnenkopf symbolisiert die Macht über die Finsternis, der schlangenförmige Unterleib stellt die Unendlichkeit dar, das Ei ist das Weltall.

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02. Sonne

Die Sonne ist ein gigantischer Atomreaktor – ihre Energie wird noch in vielen Millionen von Jahren nicht erschöpft sein. Um ihre gewaltige Masse kreisen 9 Planeten und – zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter – viele Tausend winziger Planetoiden. Ohne die Sonnenstrahlung gäbe es kein Leben auf der Erde. Im Verlauf eines Jahres umkreist die Erde die Sonne auf einer elliptischen Umlaufbahn. Der dadurch bedingte Wechsel der Jahreszeiten zieht sich als Kampf des Lichts gegen die Mächte der Finsternis durch die Mythen aller Völker. Hier liegt auch der Ursprung der Nibelungensage und der germanischen Götterlehre, in der Baldur gegen finstere Mächte kämpft – um durch Freias Erlösung aus der Gewalt des Winters der Welt zu neuem Leben zu erwecken. Aus der Wintersonnwendfeier entstand in frühchristlicher Zeit das Weihnachtsfest. Der Sonnengott wird seit Urzeiten von allen Völkern verehrt: als Osiris bei den Ägyptern, Baal bei den Phöniziern, Helios bei den Griechen, Sol bei den Römern.

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03. Mond

Der Mond ist die Ursache von Ebbe und Flut: Durch die Anziehungskraft seiner Masse steigt der Wasserspiegel des Meeres an; eine Flutwelle begleitet seinen Lauf um die Erde. Seine Oberfläche ist übersät von den Einschlaglöchern der Meteoriten. Von Neumond umrundet er die Erde in 29 ½ Tagen. Die Mondphasen (a - h) waren Kalendermaß vieler Kulturen und Anlass zahlreicher Mythen von Tod und Wiedergeburt.

DIE MONDGÖTTIN SELENE

Wie Isis in Ägypten oder Luna in Rom hat in Griechenland auch Selene die Gabe, Unsterblichkeit zu verleihen. Von zwei weißen Kühen gezogen, fährt ihr silberner Wagen langsam über den Nachthimmel dahin, unbehelligt von ihren Geschwistern Eos, der Morgenröte, und Helios, dem Sonnengott. Sie liebt Endymion, den schönen König von Elis. Er wollte ewig schlafen, ohne zu altern – Selene gewährte ihm seinem Wunsch. Am Ende jeder Fahrt besucht sie ihren unvergänglich schönen Geliebten, der in einer Höhle im Berg Latmos in ewigem Schlaf gefangen ist.

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04. Galaxis

Als helles, schimmerndes Band zieht sich die Milchstrasse – unsere Galaxis – über den Sternenhimmel. In den Mythen alter Kulturen ist sie die Straße, auf der die Seelen der noch Ungeborenen und auch der Verstorbenen wandeln. Erst seit der Erfindung von Fernrohren, Astrokameras und Radioteleskopen ist die Galaxis Forschungsobjekt und Anlass verschiedenster Theorien über den Ursprung und Gestalt des Weltraums. Sie besteht aus Sternhaufen, planetarischen Nebeln, dunkeln und leuchtenden Gaswolken, Spiralnebeln (die nichts anderes sind als entferntere Galaxien) und 200 Milliarden verschienartigster Fixsterne, von denen unsere Sonne ein recht typischer Vertreter ist. Im Sternbild Schwan ist ein Sternballungsgebiet zu sehen, das Lichtjahre weit entfernt ist. Die Galaxien neigen zu Gruppenbildung. Unsere Gruppe umfasst einen Raum von 3 Milliarden Lichtjahren und enthält 18 Galaxien. Unsere „Nachbarstraße” im Weltraum ist der Andromeda-Nebel.

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05. Merkur

Merkur ist der kleinste und schnellste Planet unseres Sonnensystems. Sein Durchmesser beträgt 5140 km und er umrundet die Sonne in nur 88 Tagen. Von allen Planeten steht er der Sonne am nächsten, ist daher sehr schwer zu beobachten – am ehesten dann, wenn die Sonne von einer Wolke verdeckt wird.

GOTT DER DIEBE, HÄNDLER UND ASTRONOMEN

In Rom nannte man ihn Merkur – in Griechenland hieß er Hermes. Seine Eltern sind Zeus und Maja. Am Morgen zur Welt gekommen, erfindet er am Mittag die Leier und stiehlt am Abend die Kälberherde seines Halbbruders Apollon. Als Sühne schenkt ihm Hermes die Leier – und darf die Kälber behalten. Von Apollon erhält er den Zauberstab und wird Bote der Götter. Auf geflügelten Schuhen durcheilt er die Welt, bringt den Schlaf und die Träume und geleitet die unsterblichen Seelen der sterblichen Menschen in die Unterwelt. Er beschützt Geschäft und Handel, die Sicherheit der Straßen, die Reisenden – und auch die Himmelsforscher.

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06. Venus

Obwohl die Venus mit 12100 km Durchmesser etwas kleiner als die Erde ist und wie der Mond kein eigenes Licht hat, ist sie der hellste Stern am Himmel – weil sie der Erde am nächsten ist. Sie ist Morgenstern und Abendstern, ist manchmal auch am Tag zu sehen, was in vergangenen Jahrhunderten abergläubische Ängste hervorrief.

GÖTTIN DER LIEBE UND SCHÖNHEIT

Unter vielen Namen spielt sie eine schillernde Rolle in den uralten Mythen.
Als Ischtar im sumerischen Gilgamesch-Epos wird sie samt ihren Tempeldienerinnen wegen Hurerei geschmäht.
Als griechische Aphrodite betrügt sie ihren hinkenden Gatten Hephaistos mit zahlreichen göttlichen und sterblichen Liebhabern – mit Pfeil und Bogen schießt ihr Sohn Amor Verliebtheit in die Herzen der Menschen.
Als Venus ist sie Stammmutter des römischen Volkes und genießt erstmals einen guten Ruf – den sie in der deutschen Tannhäuser-Sage endgültig verliert: Sie lockt arglose Wanderer in den Venusberg, die an ihrem Hof ein ausschweifendes Leben führen und darüber die Seele verlieren.

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07. Terra

Mit einem Durchmesser von 12757 km ist unser blauer Planet ein wenig größer als die Venus. Noch vor 350 Jahren hielt man ihn keineswegs für einen Planeten, vielmehr für den Mittelpunkt der Welt, um den sich nicht nur der Mond, sondern der ganze Himmel mit allen Gestirnen dreht. Ob die Erde nun Scheibe oder Kugel sei, war Anlass erbitterter Auseinandersetzungen. Zwar hatte der griechische Physiker Archimedes schon vor 2200 Jahren einen Beweis für die Kugelform gefunden. Da aber die Bibel von einer Kugelform nichts erwähnt, wurde die Erde von der Kirche für flach erklärt. Erst Kolumbus verhalf den alten Erkenntnissen zu neuem Glanz: 1493 kehrte er erfolgreich von seiner ersten Reise in die „falsche” Richtung zurück, anstatt samt Schiff und Besatzung von der Erdscheibe heruntergefallen zu sein.

DIE GRIECHISCHE SCHÖPFUNGSGESCHICHTE

Am Anfang war das Nichts. Daraus entstanden Gaia, die Erde, und Eros, die Liebe. Gaia zeugte aus sich allein Pontos, das Meer, und Uranos, den Himmel. Von Eros bewegt verband sie sich mit Uranos, gebar die Kyklopen und die Titanen.

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08. Mars

Mars ist der Erde zweitnächster Planet und recht klein mit seinem Durchmesser von 6800 km. Zwei kartoffelförmige Monde begleiten ihn – Phobos und Deimos. Lange gaben Marskanäle Anlass zur Vermutung, der rote Planet sei von intelligentem Leben besiedelt. Durch Mariner-Fotos werden sie als optische Täuschung entlarvt.

GOTT DES KRIEGES UND DES ACKERBAUS

Da die Bauern ihre Äcker an den Großgrundbesitz verloren hatten, kämpften sie als Legionäre weniger für Rom als für den Kriegsgott, der ihnen durch die Eroberung von Kolonien zu neuer Heimat verhelfen konnte – so stand Mars auch als Gott des Ackerbaus hoch in ihrem Ansehen. Seines rohen, streitsüchtigen Wesens wegen war er in Griechenland weniger geschätzt – als Ares ist er Liebhaber der schönen Aphrodite, die ihm zwei Söhne schenkt, Phobos (Grauen) und Deimos (Furcht). Ihr Gatte Hephasistos ertappt sie bei einem Schäferstündchen, fängt das nackte Paar in einem sinnreich geschmiedeten Netz und stellt es dem Spott der Götter zur Schau.

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09. Jupiter

Während Venus, Erde und Mars feste Körper sind, besteht Jupiter zu 80% aus Wasserstoffgas. Trotz seines ungeheuren Durchmessers von 143600 km rotiert der Gasgigant mit enormer Geschwindigkeit. Der feuerflüssige Kern und das Dauergewitter seiner Atmosphäre lässt ihn auch aus eigener Energie vielfarbig leuchten. Die größten vier seiner 12 Monde wurden 1610 von Galilei entdeckt.

GOTT DES HIMMELS UND DER WAHRSAGEKUNST

Bei der Teilung der Welt wird Zeus Herrscher des Himmels. Bei den Römern heißt er Jupiter, „himmlischer Vater”. Sein Prinzip ist Ordnung, er regiert die Erde, spendet Regen, richtet mit dem Blitz und sieht alles, auch die Zukunft, die er durch Gewitter, Vogelflug und Träume offenbart. Mit seiner eifersüchtigen Gemahlin Hera zeugt er Ares und Hephaistos. Ohne Zahl sind seine göttlichen und sterblichen Geliebten, denen er sich in stets neuen Verwandlungen nähert, um Götter und Helden zu zeugen. Die Opfer seines Begehrens werden von Hera grausam verfolgt.

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10. Saturn

Saturn ist der entfernteste der fünf mit dem bloßen Auge sichtbaren Planeten. Seines Ringes wegen hielt man ihn einst für einen Stern mit Henkeln – heute kennt man mehrere Ringe die aus Teilchen von Staubkorn - bis Faustgröße bestehen. Zusätzlich wurden zwischen 1655 und 1966 zehn Monde entdeckt. Mit 120600 km ist er kaum kleiner als der Jupiter. Seine aus Gas bestehende Masse ist der großen Sonnenentfernung wegen zu einem festen Körper gefroren.

DIE GRIECHISCHE SCHÖPFUNGSGESCHICHTE

Der römische Saturn hieß bei den Griechen Kronos und ist einer der zwölf Titanen. Kronos entmachtet seinen Vater Uranos, der prophezeit, auch ihn werde ein Sohn entthronen. So verschlingt er alle seine Kinder sofort nach ihrer Geburt. Den jüngsten Sohn Zeus rettet seine Gattin Rhea durch eine List – später zwingt Zeus den Vater, die unsterblichen Geschwister auszuspeien. Im nun entfesselten Titanenkampf siegt Zeus. Die Weltherrschaft teilt er mit seinen Brüdern. Kronos wird ins Elysium, zu den Inseln der Seligen, versetzt.

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11. Uranus

Trotz seines gewaltigen Durchmessers von 53400 km ist Uranos mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen und wurde erst 1781 – nach der Erfindung des Fernrohrs – entdeckt. Auch er ist ein sonnenferner, eisiger Gasgigant. Der letzte seiner fünf Monde wurde 1948 durch die riesigen Objektive einer Sternwarte in den USA aufgespürt.

DIE GRIECHISCHE SCHÖPFUNGSGESCHICHTE

Aus sich allein hatte Gaia Uranos, den Himmel, erzeugt. Von Eros bewegt, verband sie sich mit ihm und gebar die einäugigen Kyklopen – die Erfinder der Blitze mit denen Zeus im Kampf um die Weltherrschaft siegte – und die Titanen. Die Kyklopen wurden Uranos zu mächtig, so warf er sie in den Tartaros. Voll Zorn darüber beklagte sich Gaia bei ihrem Sohn Kronos den, dem jüngsten der Titanen, Uranos liege zu oft auf ihr. Sie gab ihm die Sichel, mit der Kronos den Vater entmannte. Aus den Blutstropfen entstanden die Giganten. Uranos zeugungskräftige Männlichkeit fiel schäumend ins Meer und ließ Aphrodite entstehen.

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12. Neptun

Neptun wurde 1846 auf Grund gezielter Berechnungen entdeckt. Da er dreißigmal so weit von der Sonne entfernt ist wie die Erde, herrscht auf ihm ewige Dämmerung. Mit 49000 km ist auch er ein Gasgigant und wird von den Monden Triton und Nereide begleitet.

GOTT DES MEERES UND DER STÜRME

Er hatte als Neptun bei den Römern wenig Bedeutung, von den seefahrenden Griechen hingegen wurde er als Poseidon verehrt und gefürchtet. Nach dem Sieg im Titanenkampf teilt Zeus die Weltherrschaft mit den Brüdern: Gemeinsam regieren sie die Erde, den Himmel erhält Zeus, Hades die Unterwelt und Poseidon das Meer. Sein Kristallpalast steht in den Tiefen der Wogen, die er mit dem Dreizack erschüttert. Sein schwarzes Rossegespann braust über die See, umspielt vom Muschelhorn blasenden Triton und den reizenden Nereiden, deren schönste seine Gemahlin Amphitrite ist. In seinem leicht entfachbaren Zorn versenkt er Schiffe oder lässt ganze Königreiche von Meerungeheuern verwüsten.

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13. Pluto

Als neunter und bisher letzter Planet wurde 1930 Pluto entdeckt. Mit einem Durchmesser von 6400 km ist er etwas größer als Merkur und von erdähnlichem Aufbau.

HERRSCHER ÜBER DIE UNTERWELT

Ist Hades, dessen Name so sehr gefürchtet war, dass man vorzog ihn Pluto „der Reiche”, zu nennen. Von Hermes und Charon werden die Seelen der toten in sein Reich geleitet, um nach dem Urteil dreier Richter in den Tartaros (Hölle), die Asphodeloswiesen (Fegefeuer), oder das Elysium (Himmel) verwiesen zu werden. Nur einmal verlässt Pluto den Hades: als er Persephone raubt, die Tochter von Zeus und Demeter, der Göttin der Fruchtbarkeit. Durch den Granatapfelkern wird sie ihm hörig. Abwechselnd verbringt sie sechs Monate bei ihm und sechs bei ihrer Mutter auf der Oberwelt. Ähnlich wie in der germanischen Götterlehre entstehen so die Jahreszeiten. Ist der Höllenfürst bei den Griechen noch göttlicher Bruder von Zeus, wird er im Christentum zum abtrünnigen Engel, der die Menschen teuflisch in Versuchung führt.

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14. Supernova

GEBURT UND TOD EINES SUPERSTERNS

An irgendeiner Stelle im Weltraum ziehen sich die überall spärlich vorhandenen Wasserstoffatome zu einem dünnen, immer dichter werdenden Gas zusammen. Ähnlich wie das Wasser einen Strudel um den Abfluss einer Badewanne bildet, entsteht im Wasserstoffgas Rotation. Weiter Atome werden angezogen – unter dem Druck ihrer Massen entwickelt sich Hitze im Kern (1). Das Gas beginnt zu brennen, aus den Atomen entsteht Strahlung und „Asche”. Diese Asche ist das nächstschwerere Element in der Reihe: Helium. Der Druck steigt, die Hitze wird größer und Jahrmillionen lang verbrennen leichtere Elemente zu schwereren – bis zum kritischen Punkt. Ihn erreichen nur die größten Sterne. In wenigen Stunden steigern sie ihre Leuchtkraft auf ein Millionenfaches (2), und der Astronom glaubt, einen „neuen” Stern entdeckt zu haben: eine Nova oder sogar eine Supernova. Einige Monate später sprengt dann eine letzte Explosion die Trümmer in den Weltraum: phosphoreszierende, radioaktive Schlacke (3).

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15. Komet

Obwohl ein Komet die Geburt Christi angezeigt hatte, waren solche Himmelserscheinungen lange gefürchtet und galten als Vorboten des Weltuntergangs. Erst nachdem man in alten chinesischen Chroniken derart sorgfältige Aufzeichnungen über sie fand, dass ihre Bahnen nachgerechnet werden konnten, ließ sich mancher Komet als regelmäßiger Besucher aus dem Weltraum wieder erkennen. Die Kometen sind die „schnellen Raumkreuzer” unter den Sternen. Große Planeten haben für sie eine eigenartige Anziehungskraft: So ließ sich eine „Flotte” von 52 Kometen vom Jupiter einfangen und ihren weiten Bogen durch fernste Weltraumtiefen zu einer kurz-periodischen Sonnenumlaufbahn umlenken. Der an sich unsichtbare Komet beginnt erst dann zu leichten, wenn er sich der Sonne nähert: Sein Kern besteht aus Meteoriten und tiefgefrorenen Gasen, die hochexplosiv reagieren, wenn sie in der Sonnenwärme auftauen. Abgeplatzte, glühende Gas- und Gesteinsfetzen bilden den Schweif – kreuzt ihn die Erde, gibt es ein Sternschnuppenfeuerwerk.

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16. Meteor

Wer wäre nicht schon einmal überrascht worden vom urplötzlichen Aufleuchten und Verzischen einer Sternschnuppe am Nachthimmel? Der Überlieferung nach darf man sich dann ganz schnell was wünschen... Sternschnuppen und Meteore sind dasselbe: interstellare Materie, die überall im Weltraum in großen Mengen umherschwebt. Ein solches Teilchen wiegt meist nur wenige Gramm, seltener einige Kilo – ganz selten kommt auch mal ein zentnerschwerer Brocken vor. Auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne wirbelt die Erde sozusagen einigen Staub auf. Durch die Reibung mit unserer Atmosphäre kommt so ein Sternenstäubchen rasch ins Glühen und verdampft in kürzester Zeit. Manchmal bleibt auch etwas von ihm übrig und fällt herab: Meteorit genannt. Diese Kostprobe aus dem Weltall enthält keine uns bekannten Elemente und besteht nicht einmal aus seltenen Metallen oder Gestein. So gut wie nie schlägt ein so gewaltiger Meteorit auf die Erde, dass ein Krater entsteht. Den Mond hingegen schützt keine Atmosphäre, der ist von Kraterlöchern übersät.

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17. Sonnenfinsternis

Mit der Präzision eines Uhrwerks kreist die Erde um die Sonne. Mit derselben Präzision kreist der Mond um die Erde. Dabei kommt es selten aber regelmäßig vor – lässt sich auch exakt vorausberechnen – dass der Mond so genau zwischen Erde und Sonne hindurchkreist, dass sein Schatten nicht wie sonst in den Weltraum fällt, sondern die Erde trifft. Dabei prallen die Sonnenstrahlen auf seine Rückseite – es ist also Neumond – und brachen sich an seiner rundern Gestalt, so dass es einen großen Halbschatten und einen kleinen runden Kernschatten gibt. Nur ein Beobachter im Kernschatten erlebt minutenlang eine totale Sonnenfinsternis. Dabei unterbrechen weder Erde noch Mond ihren Lauf, weshalb der Schatten recht schnell über die Erdoberfläche huscht. Einst glaubten die alten Germanen, ein Wolf würde die Sonne verschlingen. Noch heute gibt es Naturvölker, die einen Heidenlärm veranstalten, um das „sonnenfressende Ungeheuer” zu vertreiben. Selbst die Tiere fürchten sich in dem düsteren, unheimlichen Licht.

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18. Polarstern

In unseren Breiten steht der Polarstern in etwa halber Höhe über dem Nordhorizont und ist ein heller, aber längst nicht der hellste Stern am Himmel. Wie die Sonne und die meisten Gestirne ist er ein Fixstern, der sein Licht selbst erzeugt. Für die Orientierung am Himmel ist er von großer Bedeutung. Mit Hilfe des Himmelswagens lässt er sich finden und bald als der Stern entdecken, um den sich alle anderen drehen, während er als einziger unbeweglich stehen zu bleiben scheint. Ursache dafür ist, dass er genau in der Verlängerung der Erdachse steht, wie die Zeichnung zeigt. Diese Achse zwischen Nord- und Südpol steht nicht senkrecht zur Umlaufbahn der Erde sondern ist geneigt – wie ein riesiger Kreisel dreht sich die Erde um ihre Achse. Eine Kreiselumdrehung dauert 26 000 Jahre; dabei läuft der Frühlingspunkt – der 21. März – durch alle 12 Tierkreissternbilder. So stand dieser Tag vor 7000 im Stier, lief dann durch den Widder, steht heute im Fisch und rückt weiter zum Wassermann.

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19. Löwe

Zu zweit stehen die Löwen am Himmel, der kleine über dem Rücken des großen.
Regulus (R) gilt als das Herz des großen Löwen. Er ist einer der strahlendsten Sterne des ganzen Himmels und heißt auch Königsstern. In den Märchen und Fabeln aller Völker ist der Löwe der König der Tiere. Nach der griechischen Sage war es die erste Aufgabe des Helden Herakles, den unverwundbaren Nemeischen Löwen zu töten – als sein Pfeil abgeglitten war, betrat er mutig die Höhle des Löwen und erwürgte ihn in seinem Armen. Der Kopf des Untiers wurde sein Helm, das Fell sein Mantel.

DER LÖWE-TYP (23.7. bis 23.8)

Er hat Familiensinn und ein warmherziges Gemüt. Seine Gesinnung ist edel, sein Auftreten nicht frei von Geltungsbedürfnis. Er ist sehr stolz, und wer ihn kränkt, bleibt nicht ungeschoren. Gern steht er im Mittelpunkt, ist kontaktreich, auch fröhlich. Sein tiefstes Inneres jedoch wird von einer undurchdringlichen Mauer umschlossen.

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20. Krebs

Der Krebs ist ein recht unauffälliges Sternbild. Der griechischen Sage nach war er mit der Hydra eng befreundet und half ihr mutig im Kampf gegen Herakles, indem er den Helden mehrfach in die Ferse zwickte – was Herakles recht lästig fand.
In der Natur gibt es Leuchtkrebse, Knallkrebse, Ritterkrebse, den Palmendieb, der Kokosnüsse vom Baum holen und öffnen kann, auch Hummer und Langusten gehören zu den vielen Tausend verschiedenen Arten. Der Einsiedlerkrebs verbringt seinen empfindlichen Hinterleib in den Schalen von Porzellanschnecken oder Herzmuscheln und ist in der Wachstumszeit ständig auf „Wohnungssuche” nach immer größeren, gut passenden Gehäusen.

DER KREBS-TYP (22.6. bis 22.7)

Er ist häuslich, sensibel, manchmal auch überempfindlich. Als Freund ist er zuverlässig und hilfsbereit, in der Liebe zärtlich und treu. Er verbindet Einfallsreichtum mit manueller Geschicklichkeit, ist künstlerisch begabt und von großer Ausdauer.

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21. Zwillinge

Die Zwillinge sind am Himmel unübersehbar. Pollux (P) ist einer der hellsten Sterne kaum weniger hell ist das interessante Mehrfachsystem von Kastor (K). Ein großer und zwei kleine Sterne umkreisen mit unsichtbaren Begleitern, vermutlich Planeten, eine gemeinsame Mitte.
In der griechischen Sage von den Dioskuren sind die Zwillinge die Söhne von Zeus und Leda, aber nur Pollux ist unsterblich wie sein Vater. Als Kastor im Kampf mit dem scharfsichtigen Lynkeus und dem starken Idas fällt, fleht Pollux zu Zeus, er möge auch ihn sterben lassen, da er den Bruder mehr liebe als sein Leben. Stattdessen gewährt Zeus den Brüdern, Tod und Unsterblichkeit miteinander zu teilen: Gemeinsam verbringen sie je einen Tag in der Unterwelt und einen auf der Erde.

DER ZWILLINGS-TYP (21.5. bis 21.6.)

In seiner Seele kämpfen hohe Ideale mit eigensüchtigen Trieben. Erst in reiferem Alter findet er zu Harmonie. Mit geistiger Beweglichkeit und Kontaktfreude kommt im Leben leicht voran.

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22. Stier

Dieses umfangreiche Sternbild hieß schon Stiere, bevor die meisten Sternbilder einen Namen hatten. Sein Herz ist der leuchtende Aldebaran (A), ein sogenannter roter Riese von ungeheuren Hitzegraden.
Nach uralter, sumerischer Sage erschafft der Göttervater Anu den Himmelsstier, der Ischtar gegen ihre Angreifer beschützen soll.
In der griechischen Sage verwandelt sich Zeus in einen Stier, um die bezaubernde Europa zu entführen. Ein Sohn dieses Abenteuers ist Minos. Als er zum König von Kreta wird, verweigert er den Göttern das Dankopfer. Zur Strafe bringt seine Gattin den Minotaurus zur Welt – ein Ungeheuer mit Stierkopf und menschlichem Körper, dem im Labyrinth junge Mädchen und Knaben geopfert werden.

DER STIER-TYP (21.4. bis 20.5.)

Alle seine Lieben hat er gern um sich, kann sich von nichts und niemandem trennen, ist zärtlich, leidenschaftlich, eifersüchtig – ein unermüdlicher Arbeiter, wenn die Aufgabe ihn reizt – und rechthaberisch.

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23. Widder

Der Widder ist ein unscheinbares Sternbild. Seine große Bedeutung hat er aus der Widderzeit, in der vor 5000 Jahren Kalender und Tierkreis festgelegt wurden. Damals stand der Frühjahrspunkt im Zeichen des Widders. Noch heute die Himmelsorientierung der Widderzeit die Grundlage aller astrologischen Berechnungen.

DIE ARGONAUTENSAGE

Nachdem der Widder Phrixos und Helle übers Meer geflogen hatten, wurde er in den Himmel versetzt. Von da an hinge sein goldenes Fell in einem heiligen Baum und wurde von Drachen bewacht. Jason gelang es – mit Hilfe der Argonauten und der Zauberin Medea – das goldene Vlies zu rauben. Damit bestand er die Mutprobe, die von ihm verlangt worden war, und wurde König von Jolkas.

DER WIDDER-TYP (21.4. bis 20.4.)

Mut, Einsatzfreude, Zielstrebigkeit und guter Teamgeist machen ihn zum Erfolgsmenschen. Mit Abenteuerlust und starkem Selbstbewusstsein ist er in der Liebe aufregend – aber auch ziemlich anspruchsvoll.

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24. Fische

Die Fische sind zwar kein kleines Sternbild, doch weisen sie kein besonders helles oder bemerkenswertes Gestirn auf. Da der Frühlingspunkt seit rund 2000 Jahren in diesem Zeichen steht, leben wir – Astrologisch gesehen – im Zeitalter der Fische.
In der biblischen Schöpfungsgeschichte überliefert Moses, wie GOTT noch vor der Erschaffung von Tieren und Menschen dem Wasser befiehlt, „sich mit lebenden und webenden Tieren zu erregen”.
Bereits im Jahr 550 v. Chr. Entwickeln griechische Philosophen die heute allgemein gültige Theorie, dass sich alle Lebewesen aus dem Wasser entwickelt haben.

DER FISCHE-TYP (20.3. bis 20.3.)

Er ist fröhlich und bescheiden, liebt die Geselligkeit und ist ein geistreicher Gesprächspartner. Seine Neigung zu Träumereien macht ihn empfänglich für die Kunst, beeinträchtigt aber seinen Realitätssinn nicht. In der Liebe ist er zartfühlend und rücksichtsvoll. Seine Schweigsamkeit macht ihn zum vertrauenswürdigen Gesprächspartner.

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25. Wassermann

Der Wassermann steigt an Herbstabenden über den Horizont. Sadalsud (S) verkündet die Regenzeit und bedeutet in der arabischen Astrologie „glücklichster Stern der ganzen Welt”.
Der Wassermann bezieht sich auf das Mysterium der Geburt: Im Wasser der Fruchtblase „schwimmt” der Säugling in die Welt. Zu Silvester der frühen Widderzeit trat die Sonne in den Wassermann und leitete die Geburt des neuen Jahres ein. Der Frühlingspunkt wird um das Jahr 2100 den Wassermann erreichen. Dann wird die Wassermannzeit beginnen, und nach uralter Sage Frieden, Glück und Wohlstand mit sich bringen.
Die Mythologie aller altern Volksmärchen belebt Meere, Flüsse und Teiche mit menschenähnlichen Wassergeistern. Der grausame Nöck stiehlt kleine Kinder – die verführerische Nixe zieht schöne Jünglinge in ein nasses Grab.

DER WASSERMANN-TYP (21.1. bis 19.2.)

Forscherdrang und praktische Vernunft machen ihn zum kühlen Beobachter. Ansichten und Verhalten passt er stets den neuesten Erkenntnissen an.

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26. Steinbock

Der Steinbock entstand erst in jüngerer Zeit aus dem Ziegenfisch des babylonischen Tierkreises.
Die griechische Mythologie verbindet das Sternbild mit Pan, dem All-Begriff der ältesten Naturreligionen und ziegengestaltigen Hirtengott. Lustvoll verfolgte er einst Syrinx – doch die scheue Nymphe verwandelte sich in ein Schilfrohr. Pan schnitt sich daraus die Hirtenflöte, auf der von nun liebestolle Wiesen spielte. Aus dem Dunkel längst vergessener Mythen stammt Aiga, mit der er Aigipan, den Ziegenfisch zeugte. Aus den Meereswellen tauchend blies Aigipan furchterregend auf dem Muschelhorn, versetzte die Feinde von Zeus im Titanenkampf in panischen Schrecken und wurde zum Dank als Sternbild in den Himmel versetzt. Seine Hörner und Bocksfüße aber leben im Teufel fort.

DER STEINBOCK-TYP (22.12. bis 20.1)

Aufgaben erfüllt er gewissenhaft und liebt die Liebe und den Erfolg. Er trifft ungern Entscheidungen, ist musikalisch – und dickköpfig.

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27. Schütze

Im Sternbild des Schützen liegt heute die Wintersonnenwende, zu der die alten Völker des Nordens den Winter verbrannten und Liebespaare durchs Feuer sprangen.
Nach griechischer Überlieferung gehört der Schütze zum Bergvolk der Kentauren. Einst lud der König der Lapithen die wilden Pferdemenschen zu seiner Hochzeit ein. Da sie an Wein nicht gewöhnt waren, wurden sie schnell betrunken und versuchten gewalttätig, die Landestöchter zu rauben. Nach blutigem Handgemenge wurden sie von den Lapithen vertrieben. Ein Teil von ihnen zog sich in die Vulkanberge von Magnesia zurück. Dort bewachten sie einen der Eingänge zur Unterwelt und verfolgten Frevler mit ihren Pfeilen. Die anderen ließen sich unter Führung des weisen Chiron im schönen Arkadien nieder.

DER SCHÜTZE-TYP (23.11. bis 21.12.)

Zielstrebig verfolgt er Aufgaben, auch höhere Ideale. Er hat großes Pflichtgefühl, ist ehrgeizig, erfolgreich, durchaus überlegen – aber kann manchmal die Selbstbeherrschung verlieren.

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28. Skorpion

Im Skorpion steht neben vielen hellen Sternen einer der prächtigsten des Himmels, Antares (A). Er ist ein Doppelstern: Eine heiße Sonne umläuft einen verhältnismäßig kühlen, roten Überriesen.
Im uralten, sumerischen Gilgamesch-Epos bewachen die Skorpionmenschen das Tor des Berges Maschu, zu dem die Sonne tägliche ein- und ausgeht. Als Gilgamesch um Einlass bittet, prüft die Skorpionfrau sein innerstes Wesen, dann öffnet der Skorpionmann das Tor und beschreibt dem Helden fürsorglich den einsamen Weg durch das Berginnere – die Nacht – zum Sonnengott.
Im griechischen Orion-Mythos prahlt der gewaltige Jäger, er könne alle Tiere töten. Als Orion dann auch noch den Plejaden nachstellt, befiehlt endlich Gaia dem Skorpion, ihn hinzurichten.

DER SKORPION-TYP (24.10 bis 22.11.)

In der Arbeit ist er zuverlässig und von rationeller Konsequenz – in der Lieber vorsichtig, in der Ehe treu und selbstlos – etwas zu selbstkritisch.

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29. Waage

Das Sternbild der Waage hieß in der arabischen Astrologie „Chelai” – Schere – und gehörte zum Skorpion, der nach griechischer Überlieferung das Urteil der Götter zu vollstrecken hatte.
In der römischen Mythologie ist die Waage das Wahrzeichen von Justitia, der Göttin der Gerechtigkeit. Der Sage nach verließ sie im eisernen Zeitalter als letzte der Himmlischen die von Verbrechen erfüllte Erde, um sich als leuchtendes Zeichen am Himmel niederzulassen. Kunstwerke späterer Zeiten schenkten ihr die Augenbinde – vor allem, um daran zu erinnern, die Menschen nicht nach ihrem weltlichen Ansehen zu beurteilen – vielleicht aber auch, um der Göttin den Anblick der unvollkommenen, menschlichen Gerechtigkeit zu ersparen.

DER WAAGE-TYP (24.9. bis 23.10.)

In Beruf und Liebe zeichnet er sich gleichermaßen aus durch Harmonie, Wahrheitsliebe, ein sicheres Urteilsvermögen und Anpassungsfähigkeit. Selten zeigt er Entscheidungsschwächen oder ein Vorurteil.

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30. Jungfrau

Spica (S), die Ähre ist der hellst Stern in der Jungfrau und einer der leuchtendsten am Himmel weshalb das Sternbild ursprünglich „Ähre” hieß.
Als die ältesten Völker sesshaft wurden, lag der Ackerbau vorwiegend in den Händen der Frau. Vielfach galt das Mutterecht und die Ähre war das Symbol mächtiger Fruchtbarkeitsgöttinnen. Keusche, männerverachtende Priesterinnen dienten ihnen, verewigt im Mythos vom kriegerischen Volk der schönen Amazonen, die sich vor der Liebe fürchteten und die Männer hassten.
Die Griechen führten den Beginn des Getreideanbaus auf Demeter zurück und verehrten die Göttin im ältesten Geheimkult Griechenlands – dem eleusinischen Mystereien – im Anschluß an die Getreideernte, einer Jahreszeit, in der die Sonne im Zeichen der Jungfrau stand.

DER JUNGFRAU-TYP (24.8. bis 23.9.)

Vernunftbegabt und praktisch in der Arbeit – scheu und zurückhaltend in der Liebe – in der Ehe fürsorglich. Lieb die Natur, ist etwas zu nüchtern.

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31. Bär

Der Große Bär geht am Nordhimmel niemals unter und ist immer gut zu sehen. Seine hellsten Sterne bilden den Himmelswagen, mit dem sich der Polarstern finden lässt. Er steht in der Verlängerung der hinteren Wagensterne und bildet die Schwanzspitze des Kleinen Bären.

DIE STERNENSAGE VON KALLISTO

Kallisto war die reizende Prinzessin von Arkadien. Oft und gerne streifte sie durch die heimatlichen Wälder, ohne zu wissen, dass Zeus sie wohlgefällig beobachtete. Sie wuchs heran, heiratete, bekam einen Sohn – Arkas – und wurde immer schöner, bis endlich Hera – Zeus´ eifersüchtige Gemahlin – ihren Neid und den dringenden Wunsch, sie aus der Welt zu schaffen, nicht länger unterdrücken konnte. Sie verwandelte Kallisto in eine zottige Bärin. Einige Jahre später hätte Arkas seine eigene Mutter bei der Jagd fast erschossen – doch Zeus verwandelte ihn in den Kleinen Bären und versetzte beide an den Himmel. Voll Wut darüber verbot Hera den Sternbildern, jemals auf die andere Seite des Himmels zu kommen.

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32. Himmelswagen

PHAETONS FAHRT MIT DEM HIMMELSWAGEN

Der Romanze von Helios mit der schönen Ägypterin Klymene entspross Phaeton. Vaterlos wuchs er heran und litt sehr unter dem Spott andere Kinder. Als Jüngling machte er sich auf, den Vater zu besuchen. Weit hinter Indien erreichte er den Palast des Sonnengottes, als dieser eben in seinen goldenen Wagen stieg, um die tägliche Himmelsfahrt anzutreten. Phaeton bat den Vater, nur ein einziges Mal dem Wagen lenken zu dürfen. Helios, der ihn so viele Jahre vernachlässigt hatte, stieg schweren Herzens wieder aus. Kühn brauste Pheaton davon und brannte sofort eine große Schramme in den Himmel, die Milchstraße. Erschrocken lenkte er in die andere Richtung und setzte Afrika in Flammen. Seither sind die Menschen dort schwarzgebrannt. Zeus schleuderte einen Blitz und Phaeton stürzte in den Eridanus. Der ausgebrannte Himmelswagen kam beim Großen Bären zum Stehen. Hephaistos musste dem Sonnengott in seiner vulkanischen Werkstatt einen neuen Wagen schmieden.

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33. Becher

Der Becher ist ein kleineres Sternbild am südlichen Himmel. Becher und Rebe sind Symbole des Dionysos.

GOTT DES WEINES UND DER TRUNKENHEIT

Die Widersprüchlichkeit der zahlreichen griechischen Mythen über seine Geburt und sein Leben lassen seine Herkunft aus fernöstlichen Naturreligionen vermuten. Er reiste mit einem seltsame Gefolge: Satyr war dem Pan verwandt, von den Römern wurde er später Faun genannt; Silen hatte Ähnlichkeit mit den Kentauren, und die Mänade liebte, wie auch Dionysos, fließende, orientalische Gewänder. Oft schlossen sich Frauen den Mänaden an, zum Kummer ihrer Ehemänner. Bei wilden Orgien nachts in den Bergen gerieten sie dann in Raserei, tanzten bis zur Besinnungslosigkeit und rissen Tiere in Stücke, sogar Menschen, die sie für Tiere hielten. Wein und religiöser Wahn führten zu Visionen, Bewusstseinserweiterung – nicht selten zum Wahnsinn, der „Waffe des Dionysos”. Die Römer übernahmen seinen Kult, nannten ihn Bacchus und feierten die ausschweifenden Bacchanalien.

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34. Hydra

Die Hydra ist das längste Sternbild am nördlichen und südlichen Sternhimmel.

DER HYDRA TOD DURCH HERAKLES

Die neunköpfige Schlange lebte mit ihrem Freund, dem Krebs um Sumpf von Lerna. Herakles trieb sie mit dem brennenden Pfeilen aus ihrem Lager und hackte mit dem Schwert auf ihre Köpfe ein. Doch für jeden Kopf, den er abhieb, wuchsen zwei neue nach. Dabei zwickte der Krebs ihn ständig in den Fuß. Da rief Herakles seinen Freund Jolaos zu Hilfe, der die Hälse der Hydra mit Fackeln ausbrannte. Nun konnten keine Köpfe mehr nachwachsen. Nur einer der Köpfe war unsterblich, ihn vergruben sie unter einem großen Stein. Dann spaltete Herakles den Rumpf und tauchte seine Pfeile in die giftige Galle der Hydra. Das wurde ihm viele Jahre später selbst zum Verhängnis. Als seine junge Frau Deianeira schamlos von Nessos belästigt wurde, erschoss ihn Herakles mit einem Giftpfeil. Im Sterben riet Nessos der Ahnungslosen sein Blut als Liebenszauber zu benutzen, was sie tat.

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35. Hund

Der Große und der Kleine Hund stehen östlich vom Orion. Sirius (S) ist der hellste Stern am ganzen Himmel und einer der nächsten Nachbarn unsere Sonne. Er ist ein Doppelstern, umrundet von einem „Weißen Zwerg” mit überschwerer Materie.
Der Große Hund ist Lailaps. Zeus schenkte ihn Europa als er sie verließ. Lailaps hatte die wunderbare Gabe, dass ihm nicht entgehen konnte. Aber er wurde angesetzt auf eine Füchsin mit der nicht minder wunderbaren Fähigkeit, dass sie niemals gefangen werden konnte. Hätte Zeus nicht eingegriffen und die Tiere an den Himmel versetzt, wären sie bei ihrer endlosen Jagd qualvoll an Erschöpfung verendet.
Der Kleine Hund ist Cerberus, der den Eingang zum Hades bewachte. Eintretende Seelen begrüßte er schwanzwedelnd – versuchten sie aber, den Hades zu verlassen, fraß er sie auf.
Bei den alten Germanen galten Hunde als „geistersichtig”, was ihr manchmal unbegreifliches Gebell erklären konnte.

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36. Fährmann

Seit alters her heißt dieses Sternbild „Fuhrmann”. Da sich aber mehrere griechische Wagenlenker den Ruhm streitig machen darin verewigt zu sein, soll die Ehre hier dem Fährmann zuteil werden, der schon in den ältesten Mythen eine bedeutende Rolle hat.

DER FÄHRMANN ÜBER DEN FLUSS DES TODES

Im Altertum dachte man sich die Erdscheibe von einem Fluss umgeben, auf dessen anderen Seite die Unterwelt begann.
Im sumerischen Mythos heißt der Fährmann Urschanabi. Er bringt den Helden Gilgamesch, der das ewige Leben sucht, auf die andere Seite und auch wieder zurück – stakt ihn sogar in jene Meeresbucht, in der Gilgamesch Steine beschwert untertaucht und das Lebenskraut vom Meeresboden pflückt. Leider wird es ihm schon kurz danach von der Schlange gestohlen.
Im griechischen Mythos heißt er Charon. Zu ihm geleitet Hermes die Seelen der Verstorbenen, die er gegen einen Obolos übersetzt – weshalb es sehr wichtig war, den Verstorbenen etwas Kleingeld mit ins Grab zu geben.

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37. Orion

Orion mit den drei Gürtelsternen ist ein prachtvolles Wintersternbild. Rigel (R) und Beteigeuze (B) sind beides Überriesen jener seltenen, „sterblichen” Größe, die zu einer Supernova werden können.
Im griechischen Mythos ist Orion ein Sohn von Poseidon und der Geliebte von Eos. Im sportlichen Wettkampf erringt er die Bewunderung der Jagdgöttin Artemis. Rücksichtslos aber verfolgt er nicht nur Tiere, auch die scheuen Plejaden, die sich vor ihm fürchten, bis endlich Gaia dem Skorpion sein Ende befiehlt. Dank Artemis´ Fürsprache wird er an einen tierreichen Ort im Sternhimmel versetzt.
Orion ist der griechische Name des gewaltigen Jägers Nimrod, Urenkel von Noah und Stammvater der afrikanischen Völker, Gründer des Assyrischen Reichs und Erbauer des Turms von Babel. In Keilschrift berichten die Tontafel-Bibliotheken Ninives von den grausamen Taten seiner Nachfolgern, aber auch von der Kultur des unterworfenen Völker, von Magie und Sternkunde.

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38. Hase

Der Hase ist ein helles Sternbild zwischen Orion und dem Großen Hund. Die Ehre, unsterblich am Himmel zu leuchten, verdankt er weniger seiner Schnellfüßigkeit als seiner sagenhafter Fruchtbarkeit.
So wird von einer Hasenplage berichtet, die auf der kleinen Insel Leros bei Karia – einen Teil der heutigen Türkei – zu ökologischen Schwierigkeiten führte. Zuerst brachte nur ein Bürger eine schwangere Häsin vom Festland mit. Das Tier gefiel den Inselbewohnern, sie begannen sie zu züchten. Bald aber vermehrte es sich so sehr, dass die Feldfrüchte nicht mehr ausreichten, um Menschen und Hasen zu ernähren. Den sicheren Hungertod vor Augen, baten die Inselbewohner Artemis um Hilfe. Die Göttin der Jagd riet ihnen, eine Kette zu bilden und die Tiere mit Stöcken ins Meer zu treiben. Dort ertranken sie zu Tausenden. Doch einen Hasen versetzten sie an den Himmel. So hat Orion ein Opfer, das sich schneller vermehrt als er schießen kann – allen Jägern zu Mahnung, die Tiere zu hegen, aber nicht auszurotten.

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39. Perseus

Im Sternbild Perseus steht Algol (A), der im Altertum „Dämon” hieß, weil er „blinzelt”. Algol ist ein Mehrfachsystem, bei dem ein dunkler Stern einen hellen Doppelstern umläuft, ihn der Erde gegenüber alle zwei Tage 10 Stunden lang verdeckt.

PERSEUS UND DAS HAUPT DER MEDUSA

Zeus verwandelte sich in goldenen Regen, um seine Göttergattin mit Danae zu betrügen. Hera kam trotzdem dahinter. So hatte Perseus, Danaes Sohne, kein leichtes, aber ein heldenhaftes Leben. Gleich nach der Geburt war man ihn und seine Mutter in einer Kiste ins Meer. Sie wurden gerettet, aber kaum war er erwachsen, musste er das Haupt der Medusa holen – ihr Anblick verwandelte jeden sterblichen in Stein. Doch die Götter halfen ihm: Hermes borgte ihm Flügelschuhe, Zauberschwert und Tarnhelm – auf den Rat von Athene, der Göttin der Weisheit, blickte er Medusa nur im Spiegel seines Schildes an, trennte unversehrt das schlangehaarige Haupt vom Rumpf und rettete damit Andromedas Leben.

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40. Plejaden

Die Plejaden sind ein kleine, offener Sternhaufen nahe dem Stier. Ihre Sterne bringen den Gasnebel um sie zu geisterhaften leuchten. Mit bloßen Augen lassen sich sechs bis acht Sterne unterscheiden, weshalb man sie im Altertum Siebengestirn, auch Augenprüfer nannte.

DIE SIEBEN TÖCHTER VON ATLAS UND PLEJONE

Atlas war der Riese, der den Himmel auf seinen Schultern trug. Von Perseus ließ er sich später ins Atlasgebirge verwandeln, um die drückende Last nicht mehr zu spüren. Die Meernymphe Plejone war die Mutter seiner sieben Töchter Alkyone, Asterope, Elektra, Kelaino, Maja, Merope und Taygeta. Orion erblickte sie einst an einem Flussufer, als sie mit ihrer Mutter badeten und sangen, von Morgennebelschleiern halb verborgen. Lüstern brach er durchs Gebüsch, aber sie flohen erschrocken. Sieben Jahre liefen sie vor ihm davon, der sie unermüdlich durch ganz Afrika verfolgte, bis Zeus die Erschöpften am Sternhimmel in Sicherheit brachte. Dort folgt er ihnen heute noch in sicherer Entfernung.

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41. Eridanus

Der Sternenfluss Eridanus erstreckt sich weit über den südlichen und noch ein Ende über den nördlichen Himmel. Er ist das Spiegelbild aller großen Flüsse der Erde, denn auch bei ihm vereinigen sich viele Quellen zu einem schimmernden Band, das nach zahlreichen Schleifen und kehren in einer breiten Mündung endet.

PHAETONS TRAURIGES ENDE

Der Sage nach wurde Phaeton von Zeus mit einem Blitz aus dem Himmelswagen geschleudert, nachdem er in seinem jugendlichen Leichtsinn die Erde in Flammen gesetzt hatte. Wie eine brennende Fackel stürzte er in den Eridanus und ertrank jämmerlich nach seiner unbedachten Fahrt. Seine Halbschwestern, die Heliaden, verließen den Palast des Sonnengotts und säumten das Flussufer. So unaufhörlich weinten sie um Phaeton, bis sich ihre Tränen in Bernstein und sie selbst sich Pappeln verwandelten. Zeus aber ließ zornig alle Flüsse los, um die brennende Erde zu löschen. So entstand im griechischen Mythos die Sintflut.

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42. Kassiopeia

Das kleine aber auffallende Sternbild Kassiopeia wandert sicht hinter Kepheus rund um den Polarstern, je nach Himmelsstand gleicht es einem mütterlichen M oder einem traurigen W.

KASSIOPEIA – EINE ZU GLÜCKLICHE MUTTER

Kassiopeia war die Gemahlin von Kepheus, der vor vielen Jahren König in Äthiopien war. Ihr einziges Kind war Andromeda, eine bildhübsche Tochter, die sie innig liebten. Tatsächlich war Andromeda von solchem Liebreiz, dass die glückliche Mutter einmal voll Stolz ausrief, sie sei noch schöner als die Nereiden. Das wäre ihr besser im Hals stecken geblieben, denn die Nereiden waren die Schwägerinnen von Poseidon, dem gefürchteten Gott des Meeres. Natürlich hörte er von dem eingebildeten Ausspruch und ärgerte sich sehr darüber. Er sandte sein gräulichstes Meerungeheuer los und verlangte, dass Andromeda ihm geopfert werden sollte, sonst ließe er das Königreich verwüsten. Dem musste sich die verzweifelte Landesmutter beugen. (Die Geschichte der wunderbaren Rettung).

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43. Dreieck

Das Dreieck des Südens besteht aus hellen Sternen und ist nur am südlichen Sternhimmel zu sehen.
Es erinnert an die bedeutenden Gelehrten des Altertums. Ohne die Hilfsmittel der Technik, fast ohne Instrumente kamen sie durch Beobachtung, Nachdenken und Gedankenaustausch auf eine fülle von wesentlichen Erkenntnissen, die ihre Gültigkeit bis heute nicht verloren haben und Fundamente von Wissenschaft und Forschung sind.
Anfangs nannten sie sich „Weise”. Pythagoras, der nicht minder weise als seine Vorgänger war, nannte sich als erster bescheiden „Freund der Weisheit”: Philosoph. Dieser Beruf wurde damals ungleich vielseitiger ausgeübt als heute. Die Philosophen erforschten alle Zweige der Wissenschaft und des Geistes. Unter andrem betrieben sie Mathematik, was damals soviel war wie Astronomie und Astrologie zusammen. Sie untersuchten das Dreieck und fanden heraus, dass seine vielseitigen Verhältnisse, wie beispielsweise die Größe der Winkel oder die Länge der Seiten voneinander abhängig sind.

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44. Walfisch

POSEIDONS MEERUNGEHEUER

Mit einem unbedachten Ausruf hatte die Königin Kassiopeia den Zorn des Meergottes erregt. Dass irgendeine sterbliche Jungfrau schöner sei als seine Schwägerinnen, die Nereiden, konnte und wollte er nicht ungestraft hingehen lassen. So befahl er einem riesigen Walfisch, zuerst einmal die Küsten des Königreichs zu verunsichern, Fischerboote umzuwerfen und Häfen zu zerstören. Anschließend sollte das Tier zu einem bestimmten Felsen schwimmen und eine dort angekettete Prinzessin fressen.
Der Walfisch tat, wie ihm befohlen. Als er jedoch zum besagten Felsen kam, hatte er das Pech, dass neben Prinzessin Andromeda noch ein gewisser Perseus auf ihn wartete. Dieser zog etwas aus einem Beutel, das sich seltsam ringelte. In Erwartung seiner Lieblingsspeise, dem vielarmigen Tintenfisch, schaute der Wal es gierig an – und wurde vom schlangenhaarigen Medusenhaupt blitzartig in eine Felseninsel verwandelt. Poseidon aber versetzte sein gehorsames Tier unter die Sterne.

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45. Kepheus

EIN PFLICHTGETREUER KÖNIG

Kepheus war vor langer Zeit der König von Äthiopien, ein Mann, dem das Alter schon schwer zu schaffen machte. Eines Tages trat eine Abordnung von Fischern vor ihn, die sich über einen riesigen Walfisch beklagten, der an den Küsten Eigentum und Menschenleben vernichte. Der ratlose König machte sich auf die beschwerliche Reise nach Delphi, um dort das berühmte Orakel zu befragen. Schreckensbleich eilte er zurück und berichtete seiner Gemahlin Kassiopeia von Poseidons ungeheuerlicher Forderung. Aber das Wohl des Landes ging vor – die königlichen Eltern mussten ihr einziges Kind an einen Felsen ketten und seinem grässlichen Schicksal überlassen. In dieser Nacht tat wohl keiner ein Auge zu. Als zu völlig unmöglicher Zeit ein unbekannter Mann in das königliche Schlafgemach platze und um die Hand der Prinzessin Andromeda anhielt, versprachen ihm die Eltern alles, wenn er sie nur retten würde, was er auch tat. Das Königreich wollte er nicht einmal haben.

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46. Andromeda

ANDROMEDAS WUNDERBARE RETTUNG

Die schöne Prinzessin hatte sich tapfer dem Orakel gebeugt und war bereit für das Wohl des Volkes zu sterben. Alleine in der dunklen Nacht verlor sie aber doch den Mut. Sie dachte an ihre arme Mutter und begann zu schluchzen. Das hörte Perseus, der gerade mit Flügelschuhen hoch über ihr durch die Luft flog, froh über seinen Sieg, die gefährliche Trophäe in der Hand. Er stieß herab und fand die bezaubernde Andromeda, die hilflos an den Felsen gekettet ihren sicheren Tod erwartete. Bei beiden war es Liebe auf den ersten Blick. Perseus drückte ihr tröstend die Hand, um die er wenige Minuten später im Palast ihrer Eltern anhielt – nicht ohne dabei auch einen Beutel zu besorgen, der da Medusenhaupt vor den Augen der Liebsten verbarg. Dieses hielt er im Morgengrauen dem Ungeheuer vor die Nase, das sich wie erwartet in Stein verwandelte. Nach der Hochzeit gründete Perseus ein eigenes Königreich, in sie viele Kinder bekamen und sehr glücklich waren.

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47. Pegasus

Pegasus war das geflügelte Ross des Altertums, den neun Musen der Künste stets zu Diensten. Vier Musen beflügelten mit ihm die Literatur, zwei das Theater, je eine Gesang und Tanz – und eine förderte die Sternkunde.

DER HÖHENFLUG VON BELLEROPHONTES

Als Gast am Hof von Tyrins gab er den mannstollen Königen einen Korb. Wutentbrannt forderte sie seinen Tod. Ihr Gemahl mochte aber das Gastrecht nicht verletzten und schickte Bellerophontes mit seinem versiegelten Todesurteil zum König Jobates nach Lykien. Jobates öffnete den Brief erst am neunten Tag – und da mochte er den liebgewonnenen Gast auch nicht mehr töten. Stattdessen bat er ihn, sein Land von der feuerspeienden Chimäre zu befreien. Nach einem seltsamen Traum erwachte Bellerophontes auf Pegasus´ Rücken. Er erlegte das Untier im Höhenflug und wurde sehr berühmt. Das stieg ihm aber zu Kopf und er lenkte das Flügelross in den Himmel. Ärgerlich sandte Zeus eine Bremse, die Pegasus stach. Er bockte und warf Bellerophontes ab, der hart zu Boden fiel.

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48. Schwan

Im Sternbild Schwan wird das Zentrum unserer Galaxis vermutet. Deneb (D) gehört zu den hellsten Sternen am Himmel, trotz seiner ungeheuren Entfernung. Von Deneb bis zur Erde braucht ein Lichtstrahl 930 Jahre. Das schnellste Flugzeug müsste für diese Strecke 300 Millionen Jahre lang unterwegs sein.
Im griechischen Mythos verwandelte sich Zeus in einen Schwan, um Leda zu verführen, wovon seine Göttergattin wieder einmal nichts merken soll. Die badende Leda freut sich über die Zutraulichkeit des schönen Tieres und lässt sich liebkosen. Danach bringt sie zwei leuchtende Eier zur Welt. Dem einen entschlüpfen die Zwillinge, dem andern die schöne Helena, um die der trojanische Krieg entbrennt.
Aus dem britannischen Mythos vom heiligen Gral stammt Lohengrin. Seinen Nachen zieht ein Schwan und niemand darf nach dem Woher und Wohin seiner Reise fragen. Die Volksmärchen aller Länder verzaubern Brüder in Schwäne, die von schweigsamen Schwestern erlöst werden.

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49. Delphin

Der Delphin ist ein kleines, sehr schönes Sternbild, und nicht all zu weit von der Leier entfernt.

DELPHINE RETTEN ARION`S LEBEN

Arion lebte um 700 v. Chr. am Hof von Korinth und war der berühmteste Liedermacher seiner Zeit. Nur ungern ließ man ihn zu einem Sängerwettstreit nach Sizilien reisen. Dort ersang er sich kostbare Preise und schiffte sich wieder zur Heimreise ein. Seine Schätze ließen dem Kapitän jedoch keine Ruhe. Auf hohe See beschloss er, Arion über Bord zu werfen und gewährte ihm noch einen letzten Wunsch. Arion nahm seine Leier und spielte ein wehmütiges Abschiedslied. Damit lockte er eine Schar von Delphinen an. Als der Kapitän den Künstler von der Rehling stieß, nahmen sie ihn auf den Rücken, fischten auch die Leier aus den Wogen, und trugen ihn den weiten Weg übers Meer nach Korinth, während Arion für sie sang und spielte. Wenig später legte auch sein Schiff dort an. Der Kapitän wurde hingerichtet. Die Götter verewigten Arion auf dem Rücken des Delphins am Himmel.

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50. Adler

In der Mythologie und Heraldik ist der Adler von großer Bedeutung. In der nordischen Sage ist er Symbol von Odin, dem Weisesten der Asen und Vater der Menschheit. Er sitzt im Wipfel der Weltesche Yggdrasil und seiht alles auf Erden. Als Sinnbild irdischer Macht ernannte ihn Ptolemäus I. zum Wappentier Ägyptens. Die römischen Kaiser und Feldherren schmückten sich mit Adler-standarten. Auch Napoleon erschien er als würdiges Symbol seiner Macht. Am Himmel ist der Adler ein kleines, sehr helles Sternbild mit Atair (A), einem der hellsten Sterne von allen. Atair ist der Adler von Zeus.

PROMETHEUS IN KETTEN

Prometheus war ein Neffe von Zeus und erschuf aus Lehm die Menschen. Als er ihnen zuliebe Feuer vom Herd der Götter stahl, kettete ihn Zeus zur Strafe an einen Felsen. Täglich kam der Adler und zehrte an der Leber, die dem Untersterblichen nachts wieder nachwuchs. 30000 Jahre hing er da, bis Herakles den Adler erschoss und Prometheus von seiner Qual befreite.

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51. Leier

Wega (W) in der Leier ist der hellste Stern des Nordhimmels und wird wegen der Kreiselbewegung der Erdachse in 12 000 Jahren den Platz des Polarsterns einnehmen. Die Leier ist ein Saiteninstrument und war im Altertum so beliebt wie heute die Gitarre.

ORPHEUS UND EURIDIKE

Mit seinem Leierspiel konnte Orpheus wilde Tiere zähmen, sogar Steine und Bäume folgten ihm, wenn er es wollte. Er war einer der Argonauten – durch sein Spiel schlief nimmermüde Drache ein, der das goldene Vlies bewachte. Nach dieser Reise heiratete Orpheus Euridike, die all zu bald von einer Giftschlange tödliche gebissen wurde. Orpheus stieg in die Unterwelt und verzauberte Hades und Persephone mit seinem bewegenden Spiel. Sie erlaubten Euridike, ihm zu folgen, aber er durfte sich nicht umblicken, bis sie auf der Erde waren. Da er ihren Schritt nicht hören konnte, zweifelte er plötzlich ob sie noch hinter ihm sei. Er sah sich um – und ihr Schatten entschwand für immer in der Finsternis.

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52. Drache

Riesig kauert das Sternbild des Drachens über dem Polarstern und spiegelt die zahlreichen Drachenungeheuer der Mythologie wider, deren Aufgabe stets ist, Goldschätze oder vernehme Jungfrauen zu bewachen.
In der griechischen Sage bewacht ein Drache die goldenen Äpfel der Hesperiden und wird von Herakles getötet – ein anderer Drache bewacht das goldene Vlies.
Bei Konfuzius ist der Drache Symbol für Erdbeben und Vulkanausbrüche. Im alten China ist der Staatswappen und gilt als glücksbringend.
Mit dem erdverwüstenden Lindwurm Dahaka verbindet das alte Persien einen besonderen Drachenkult.
In der nordischen Mythologie umspannt er als Midgardschlange das ganze Erdenrund.
Aufgabe der Helden ist es, Drachen auszutilgen. Ausser dem Goldschatz erhält der Drachentöter noch geheime Gaben: Der Genuss des Drachenherzens bringt Kunde der Tiersprache. Das Bestreichen mit Drachenblut macht unverletzbar (wie es von Siegfried im Nibelungenlied überliefert wird). Aber auch kirchliche Heilige wie Sankt Georg haben Drachen überwunden.

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53. Herkules

M 13 im Sternbild Herkules ist der schönste Kugelsternhaufen des Nordhimmels. Er ist eine der 18 Galaxien unseres lokalen Systems und besteht aus unzähligen „roten Riesen”, den ältesten aller Sterne.

HERAKLES, DER SONNENHELD

Alkmene war der Meinung, von ihrem Gatten Amphitrion umarmt zu werden, in den sich aber Zeus verwandelt hatten, um seine Göttergattin Hera zu betrügen. Herakles, das Kind dieses Seitensprungs wurde lebenslang von Heras Feindschaft verfolgt. Gleich nach seiner Geburt legte sie ihm zwei Schlangen in die Wiege, die er jedoch spielend erdrückte. Er wuchs zu gewaltiger Körperkraft heran. Zwölf Heldentaten wurden ihm aufgetragen, in deren Verlauf er noch unzählige andere Abenteuer siegreich bestand. Nach einem ruhmreichen Leben starb er am Gift der Hydra. Seine Vergötterung wurde von den Römern übernommen. Sie verschmolzen mit ihn mit ihrem Ehegott Hercules. In der Astrologie stellte man ihn uns seine zwölf Taten auf dem Weg der Sonne durch den Tierkreis gleich.

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54. Schlangenstab

Die zusammenhängenden Sternbilder Schlange und Schlangenträger (gestrichelte Linie) werden in der Astronomie einzeln aufgeführt.
Die klassische Mythologie verbindet beide Sternbilder mit dem griechischen Asklepios, den die Römer Äskulap nennen. Er genießt gottähnliche Verehrung; sein Wahrzeichen ist der Schlangestab. Der berühmte Arzt gilt als Sohn von Apoll – dem Gott der Jugend, Heilkunst und Wahrsagung und Oberhaupt der Musen. Als Schüler des weisen Chiron erlernt Äskulap die Heilkunst so vollkommen, dass sein Können der Menschheit von unermesslichem Nutzen, ihm selbst aber zum Verhängnis wird. Er begeht die Vermessenheit, einen Toten wieder zum Leben zu erwecken. Zeus bestraft den Wundertäter mit einem tödlichen Blitz – Apoll versetzt ihn unter die Sterne.
Im sumerischen Mythos stiehlt die Schlange dem Menschen das Lebenskraut – sie häutet sich zu ewiger Jugend und Unsterblichkeit, während der Mensch sich mit dem Tod abfinden muss.

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55. Krone

Das charakteristische Sternbild der Nördlichen Krone wird auch „Diadem der Ariadne” genannt.

THESUS UND ARIADNE

Hinter dem Rücken des Königs von Athen verführte Poseidon die kluge Aithra. Sie gebar Theseus, den der weise Chiron erzog, und der vielen Heldentaten vollbrachte, bevor er sich unter die Opfer mischte, die Athen zum Minotaurus nach Kreta schicken musste. Vom Amphitrite, die den Seitensprüngen ihres Gatten im Gegensatz zu Hera nichts nachtrug, erhielt er ein leuchtendes, goldenes Diadem. In Kreta gewann Theseus die Liebe von Ariadne, der schönen Schwester des Ungeheuers. Sie gab ihm guten Rat und das Fadenknäuel. Im Labyrinth leuchtete das Diadem ihm voran. Theseus stellte den Minotaurus und tötete ihn – und fand mit dem Faden den Ausgang wieder. Er entführte Ariadne und schenkte ihr das Diadem zur Hochzeit. Als sie schwanger wurde, verließ er sie. Dionysos nach sich ihrer an und schleuderte das Diadem an den Sternenhimmel.

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56. Rabe

Der Rabe ist ein kleines Sternbild nahe dem Becher auf dem südlichen Sternhimmel.
Im sumerischen Sintflut-Bericht werden nacheinander Taube, Schwalbe und Rabe von der Arche ausgesandt, um Land zu finden. Schwalbe und Taube kommen zurück, erst als der Rabe ausbleibt, lässt Utnapischtim auch die anderen Tiere frei.
Nach der biblischen Sintflut lässt Noah den Raben solange hin und herfliegen, bis die Wasser gefallen sind, erst dann sendet er die Taube los, die mit dem Ölzweig zurückkommt.
In der germanischen Mythologie sitzen die Raben Hugin und Munin auf Odins Schultern, fliegen jeden Tag aus, um die Zeit zu erforschen, und sind Symbol für die Allwissenheit Odins.
In Griechenland gilt der Rabe als weiser, prophetischer Vogel und ist dem Apoll heilig. Weil er aber dessen Geliebte anschwärzt, verwandelt Apoll sein ursprünglich weißes Gefieder in Schwarz und setzt ihn zur Warnung für boshafter Schwätzer an den Sternhimmel.

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57. Wolf

Der Wolf ist ein Sternbild des Südhimmels.
Nach griechischer Überlieferung ist der König Lykaon von Arkardien in ihm verewigt.
Als Zeus sich einst in der Gestalt eines Wanderers auf die Erde begab, um die Gerüchte von der Verdorbenheit der Menschen an Ort und Stelle zu prüfen, war er auch Gast bei Lykaon. Dieser wollte den Gott auf die Probe stellen und gab ihm in einem Eintopf das Fleisch eines Kindes zu essen. Voll Abscheu verwandelte Zeus den König in einen Wolf.
In Rom war der Wolf dem Kriegsgott Mars heilig, und eine Wölfin säugte seine Söhne Romulus und Remus, die Zwillingsgründer von Rom.
In der nordischen Mythologie versucht immer wieder der Fenrirwolf, Sonne und Mond zu fressen – die Erklärung der Finsternisse – was ihm am Tag des Weltuntergangs endlich gelingen wird.
Bei allen Völkern verbreitet war der Aberglaube vom Werwolf: Menschen, die sich nachts in Wölfe verwandeln und sich heulend dem Wolfsrudel anschließen.

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58. Phönix

Das Sternbild Phönix steht am Südhimmel und ist erst seit dem 17. Jahrhundert bekannt.
Der Phönix ist der sagenhafte heilige Vogel der Ägypter. Er hat purpur- und goldfarbenes Gefieder und verbrennt sich alle 500 Jahre in seinem aus Gewürzen bereiteten Nest. Verjüngt geht er aus dem Feuer hervor, schließt seine Asche in Myrrhen ein und trägt sie nach Heliopolis.
Dort steht noch heute eine Säule des berühmten Sonnentempels, der in der Alten Welt als Quelle aller Weisheit galt.
Phönix bedeutet „Goldhaut”. Von ihrer rötlich gebräunten Hautfarbe erhielten die Phönizier ihren Namen. Dieses bedeutende Handelsvolk huldigte einem Naturglauben. Viele seiner Mythen entstammten den untergegangenen Religionen des Ostens. Im Phönix lebt Melkart fort, der Jahresgott der Phönizier, der ähnlich wie Abraxas die wohltätigen und verderblichen Mächte des Himmels in sich vereinigt. Melkart verbrennt sich selbst in der Sommerglut, um in Frühling zu neuem Leben aufzuerstehen.

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59. Taube

Das Sternbild der Taube bekam seinen Namen erst im Jahr 1679. Die Planeten bewegen sich nicht nur um die Sonne – unser ganzes Sonnensystem bewegt sich mit einer Reisegeschwindigkeit von 20km/sec durch den Weltraum, dabei hat es die Taube im Rücken und das Sternbild Herkules als Zielrichtung. In der Taube schwebt eine Dunkelwolke aus Sternenstaub, die von unserem Sonnensystem vor langer Zeit durchquert worden ist – dabei könnte die Eiszeit entstanden sein.
Die Brieftaube ist seit Tausenden von Jahren bei allen Völkern des nahen und fernen Osten bekannt, wobei bis heute nicht völlig geklärt ist, welchen Sinnesorganen sie ihre Orientierungsfähigkeit verdankt.
In Griechenland war sie der Venus heilig und Symbol der ehelichen Liebe und Eintracht. In Rom gab es eine regelrechte Taubenpost. Die Kreuzritter brachten die Brieftauben nach Mitteleuropa. Schnell und geheim überbrachten sie Nachrichten. Als „Kurstaube” war sie für die Börse nützlich.

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60. Schiff

Das Sternbild Argo umspannt einen großen Teil des Südhimmels und wurde von der modernen Astronomie in drei Teile parzelliert: Schiffskiel, Kompass und Segel.

DIE ARGONAUTEN-SAGE

Jason ließ die Argo erbauen, das fortschrittlichste Schiff, das die Alten Welt bisher gesehen hatte, und versammelte die gewaltigsten Helden um sich, darunter Herakles, Kastor und Pollux und Orpheus. Dann zogen sie aus, das goldene Vlies zu rauben. Auf der Fahrt bestanden die Argonauten zahlreiche Abenteuer. Im Zauberland Kolchis musste Jason mit feueratmenden Stieren pflügen, Drachenzähne säen, denen waffenklirrende Krieger entsprossen, und den nimmermüden Drachen überwinden, der das goldenen Vlies am heiligen Baum bewachte. Alle Gefahren überwand er mit den Argonauten und der Hilfe der Zauberin Medea, die ihn unsterbliche liebte. Er kehrte nach gefährlicher Rückreise mit dem Vlies und Medea zurück, aber beide brachten ihm kein Glück und später zermalmten ihn die Planken der Argo.

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61. Kreuz

Das Kreuz des Südens ist die Zierde tropischer Nächte. Seine vier hellen Sterne sind vom Schimmern der Milchstraße umgegeben. Wie der Polarstern am Nordhimmel ist das Kreuz Orientierung am Südhimmel, weil sein langer Balken genau auf den Südpol zielt.
Die Kreuzigung war in allen Ländern des Altertums gebräuchlich. Die Opfer wurden allerdings nur angebunden. Über der kirchlichen Bedeutung des Kreuzes wird leicht übersehen, dass es als Bildzeichen und Wortverbindung in der Alltagswelt so häufig vertreten ist wie kein anders Symbol. Es gibt Kreuzschlüssel, Kreuzbalken, Kreuzbein, Kreuzorden, Kreuzerdukaten, Straßenkreuzer, Kreuzworträtsel, das Rote Kreuz, das Achsenkreuz und das Kreuzblatt im Kartenspiel. Wer das Schreiben nicht gelernt hat, malt „sein Kreuz” und man macht „drei Kreuze”, wenn etwas Unangenehmes überstanden ist. Heutzutage ist die Straßenkreuzung oft ein verwirrender Ort. Auch der Lebensweg führt manchmal an eine Kreuzung und damit zu einer Entschidung für eine bestimmte Richtung.

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62. Kentaur

Das Sternbild Kentaur steht nahe beim Kreuz des Südens. Die Kentauren der griechischen Mythologie waren ungebärdige Raufbolde, halb Mensch, halb Pferd. Nach dem Kampf mit den Lapithen ließ sich ein Teil von ihnen unter Führung von Chiron in Arkadien nieder. Dort war der Wein ihr Verhängnis. Sie erregten sich an seinem Duft und wollten ihn dem friedlichen Pholos stehlen, ausgerechnet, als Herakles bei ihm zu Gast war. Eine blutige Schlägerei entstand und Herakles wieder begegnen und sich sterbend an ihm rächen sollte.
Chiron war der weiseste Gelehrte seiner Zeit, berühmt für Heilkunst und Bildhauerei. Die bedeutendsten Helden gingen aus seinen Schülern hervor. Als einziger der Kentauren war er unsterblich. So litt er entsetzliche Qualen, als Herakles´ Giftpfeil ihn bei jener Schlägerei versehentlich traf. Er wäre nur zu gern gestorben, doch erst seine Versetzung unter die Sterne konnte ihn erlösen.

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63. Glücksrad

Bei ihrer jährlichen Sonnenumrundung dreht sich die Erde täglich einmal wie ein Kreisel um ihre Achse. Dabei sieht die Erde den Himmel von allen Seiten, mal von oben, mal von unten. Auch die Gestirne bleiben nicht stehen und sind mal näher, mal ferner. Hinter der Sonne ist auch tagsüber die dunkle Tiefe des Weltraums. Ihr helles Licht überblendet jeden Monat ein anderes, ganz bestimmtes Sternbild, bis sie nach zwölfen wieder vor dem ersten steht. Dann ist ein Jahr vergangen. Diese Sternbilderstraße heißt Ekliptik oder auch Tierkreis, weil die meisten der zwölf Sternbilder Tiernamen tragen.
Sie sind seit über 5000 Jahren bekannt – so lange schon versucht der forschende Blick in den Himmel die unendliche Zeit zu begreifen, die sich so wenig anhalten lässt wie Erde, Sonne, Mond und Sterne.
Der „rollende” Tierkreis wurde in der Mythologie zum Glücksrad, das sich immerzu dreht, von guten zu weniger guten – schlechten zu besseren Zeiten. Und die menschliche Hoffnung gibt ihm immer wieder einen neuen Sinn.

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64. Himmelshaus

Die Astrologie hat schon im Altertum den Tierkreis in Häuser unterteilt. Durch die Verbindung gegenüberliegender Zeichen entstanden die Häuser der Planteten, die man damals für Götter hielt. Ursprünglich zählte man Sonne, Mond und fünf Planeten: Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn, die scheinbar regellos über den Himmel wandern. Deshalb konnte man ihnen in der Architektur des Kreises keinen bestimmten Platz zuweisen. Also wurden sie nach Rang untergebracht, wobei die Sonne den Anfang machte.
Sie kam zum König der Tiere ins Löwenhaus.
Nun steht die Sonne alle Jahre wieder im gleichen Sternbild, aber die Planeten haben eigene Bewegungen am Himmel. Ihre Stellung untereinander und zu den Sternbildern – also im Tierkreis – ist in keiner Sekunde der Ewigkeit dieselbe. So ist die Berechnung des Horoskops die mathematische „Blitzlichtaufnahme” einer einmaligen Konstellation. In welchem Sternbild die Sonne bei der Geburt steht, ergibt das persönliche Tierkreiszeichen. Von Bedeutung ist, welche Planteten gerade durch dessen Haus wandern.

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65. Himmelsleiter

Aus den Querstreben der Planetenhäuser bildete sich schon bei den ältesten Kulturvölkern die Vorstellung einer Himmelsleiter – nicht nur einer Rangordnung der Planeten nach ihrem Abstand zur Sonne, sondern auch einer Verbindung zwischen Himmel und Erde. Eine Leiter, auf der sich der Mensch durch ein gutes, gottgefälliges Leben Stufe um Stufe emporarbeiten konnte, unter sich den finsteren Abgrund seines Erdendaseins, über sich die Sonne und das Licht Gottes.
Darauf entwickelte sich die Vorstellung, dass der irdische rang eines Menschen gleichbedeutend sei mit seiner Stellung auf der Himmelsleiter – eine Vorstellung, gegen die auch Jesus Christus mit aller Energie gekämpft hat, und die in der Vision des Jüngsten Gerichts in dem tröstlichen Satz gipfelt: „Die Letzen werden die ersten sein”.

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66. Lebensbaum

Der Baum ist Symbol für eine Verbindung zwischen Himmel und Erde. Seine Verwurzelung im Boden und Hinwendung zu Licht machen ihn gleichzeitig zum Sinnbild des menschlichen Lebens. Deshalb spielt auch der Baum in der Mystik aller Völker eine bedeutungsvolle Rolle.
Die Sumerer berichten vom Chaluppa-Baum. In seinen Wurzeln haust die Schlange, die böse Lilith im Stamm und der Sturmvogel im Wipfel. Weil die Göttin Ischtar sich ein Bett und einen Thron darauf zimmern will, vertreibt Gilgamesch die Geister und fällt den Baum. Dafür bekommt er eine Baumtrommel, mit der er den Einwohnern von Uruk den Schlaf raubt.
In der Schöpfungsgeschichte der Bibel verführt die Schlange Adam und Eva, den Apfel vom Baum der Erkenntnis zu essen – darauf folgt die Vertreibung aus dem Paradies, damit sie nicht auch vom Baum des Lebens essen und unsterblich werden können.
Die Weltesche Yggdrasil der nordischen Mythologie umspannt die ganze Welt. Unter ihr spinnen die Nornen die Schicksalsfäden und die Götter halten dort Gericht.

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67. Feuer

Die Philosophen der Alten Welt sahen in den vier Elementen die Ecken der Welt, aus denen alles Sein entsteht. Das Feuer ist das erste, höchste Element und verkörpert Reinheit und Läuterung.
In Griechenland war Hestia die jungfräuliche Göttin des Herdfeuers und sorgte häuslichen Frieden und Glück.
In Rom hieß sie Vesta und ihre streng jungfräulichen Dienerinnen, die Vestalinnen durften das Opferfeuer nur am reinen Licht der Sonne entzünden. Sie brauchte nur wenige Tempel, denn jeder Herd war ihr heilig.
Die Völker der ganzen Erde kannten die Verehrung des Feuers, aus ihr gingen die ältesten und furchtbarsten Götter hervor wie Ptah in Ägypten oder Moloch in Kanaan. Religionserneuerungen verwandelten die Feuergötter in hinkende Dämonen und warfen sie aus dem Himmel hinaus – wie Loki in der nordischen Mythologie oder auch Luzifer im Christentum – doch ist im höchsten Gott noch immer etwas vom Ursprung erhalten, wenn er aus Flammen spricht oder sich in Flammengestalt zeigt.

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68. Wasser

Das Wasser ist das zweite der vier klassischen Elemente.
Thales von Milet – einer der sieben Weisen des Altertums – bezeichnete es 600 v. Chr. als das einzig wahre Element, aus dem alle anderen Körper entstehen. Damit kam er der heutigen Lehre, dass alle Elemente aus dem Wasserstoff entstehen, erstaunlich nahe. Doch erst im 18. Jahrhundert wurde entdeckt, wie durch Verbrennung von Wasserstoffatomen und Sauerstoffatomen Wasser entsteht. Auch das Wort Atom stammt aus dem Griechischen und bedeutet „kleinste, unzerlegbare Einheit”. Heute weiß man, dass auch ein Atom aus noch kleineren Bausteinen besteht – Elektronen, Neutronen, Protonen – und kennt auch weit über 100 Elemente, wobei die Entdeckung neuer Atombausteine und Elemente noch längst nicht am Ende angelangt sein dürfte.
Der Kreislauf des Wassers ist die Grundlage allen Lebens, es verdunstet im Sonnenlicht, schwebt als Wolke über den Himmel und fällt als fruchtbarer Regen wieder auf die Erde nieder. Ohne Wasser kann kein Lebewesen existieren.

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69. Luft

Die Luft ist das dritte der klassischen Elemente. Sie ist für das Leben so notwendig wie das Wasser. Sie umgibt die Erde als schützende Atmosphäre. Ohne sie wäre die Erde nicht minder von Meteoritenkratern übersät wie der Mond.
Luft besteht aus gasförmiger Materie, im wesentlichen aus Sauerstoff und Stickstoff. Ihre Atome und Moleküle dehnen sich in der Sonnenwärme aus und ziehen sich in der nächtlichen Kälte wieder zusammen. So entstehen Luftströme, die durch die Drehung der Erde und die verschiedenartige Beschaffenheit ihrer Oberfläche in wirbelnde Bewegung geraten. Außer den großen Windströmen gibt es auf jedem Fleck der Erde typische kleinere Winde – und jede Mythologie hat ihre eigenen Windgötter.
Die griechische Sage berichtet von König Äolos, dem Zeus die Aufsicht über die Winde übertrug. Er hielt sie gefangen in einer Grotte auf seiner Insel Aiolia und ließ sie auf Befehl der Götter frei. Er konnte sie sogar in Schläuche sperren und Seefahren mitgeben, wenn die Götter es erlaubten.

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70. Erde

Die Erde ist das vierte Element des klassischen Altertums. Im Gegensatz zur Luft ist sie fest, im Gegensatz zum Wasser ist sie trocken und im Gegensatz zum Feuer ist sie kalt.
Doch bei genauer Betrachtung aller Eigenschaften ist zu erkennen, dass die Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde nicht fest eingegrenzt werden können, sondern ineinander übergehen. So kann man Metall verdampfen bis es so dünn und durchsichtig ist wie die Luft. Das Wasser wird durch Gefrieren fest wie die Erde. Das Knallgas, bei dem Wasserstoffgas und Sauerstoffgas zu Wasser „verbrennen”, lässt selbst den Urgegensatz von Feuer und Wasser als Einheit erkennen.
Mit dem Wasser des Regens, dem Feuer der Sonne und der Luft zum Atmen wird die Erde fruchtbar, bringt Pflanzen und Tiere hervor. Als mächtige Furchtbarkeitsgöttin wird sie in den ältesten Geheimgottesdiensten verehrt. Die Mystik aller Völker lässt sie immer wieder über die Mächte der Finsternis siegen, unterstützt von den Göttern des Lichts in ewigen Wechsel der Jahreszeiten zwischen Sommer und Winter, Werden und Vergehen.

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71. Wolken

Die vielfachen Gestalten der Wolken haben immer wieder die Phantasien der Menschen angeregt. Die Lebensnotwendigkeit des Regens erzeugte in den Mythologien aller Völker Regengötter und Regenmacher. Auch der vielgestaltige Zeus verkörpert mit Blitz und Donner eine Wettergottheit.
Die griechische Sage berichtet von Nephele, der Wolke, und Athamas, dem Wind. Sie hatten zusammen zwei Kinder, Phrixos, der rauschenden Regen, und Helle, das lebendige Licht. Aber Athamas verliebte sich in Ino, die weiße Nebemgöttin und verließ seine Gattin. Da stieg Nephele zum Himmel empor und sandte dem Land furchtbare Trockenheit. Ino, die auf die Kinder eifersüchtig war, überredete Athamas, Phrixos zu opfern, damit es wieder Regen gebe. Schnell sandte Nephele einen goldenen Widder aus dessen Rücken die Geschwister entflohen. Unterwegs stürzte Helle ab und ertrank in jener Meeresenge, die seither Hellespont heißt. Phrixos gelangte ins Zauberland Kolchis, opferte den Widder und hing sein goldenes Vlies in einen heiligen Baum.

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72. Regenbogen

Wenn die Sonne durch den Regen scheint, bricht sich ihr Licht zum vielfarbigen strahlenden Regenbogen, einer Lichterscheinung von bezaubernder Faszination, die oft noch vom farbigen Echo eines oder mehrerer Nebenregenbogen begleitet wird.
Das Sonnenlicht, das sich durch den nachlassenden Regen kämpft, ist in der Mythologie das Sinnbild für Hoffnung und frohe Botschaft der Götter, die das Ende schwerer Zeiten ankündigt.
Die griechische Göttin des Regenbogens ist Iris. Die jungfräuliche, geflügelte Götterbotin eilt rasch wie der Sturmwind von einem Ende der Welt zum anderen, dringt dabei selbst in die Tiefen des Meeres. Sie steht dem Götterboten Hermes nahe, dessen Zauberstab sie manchmal führt. Ihre Botschaften stammen meist von Zeus und Hera. Sie hat auch die friedliche Gabe, streitende Parteien zu versöhnen.
Im Volksmärchen steht das Ende des Regenbogens in einem goldenen Schüsselchen – wer es findet, kann nie wieder arm werden.

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